Etappe 7: Von Burgo nach Olmeto

Der letzte Tag führt uns durch ein Felsenmeer mit wunderbaren Ausblicken auf die Bucht von Propriano. Unsere Wanderung endet in Olmeto wo wir es uns einen Tag lang bei korsischem Essen gut gehen lassen.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 9,9 km
Wanderzeit: 5:06 h
Davon in Bewegung: 3:35 h
Bergauf: 684 m
Bergab: 646 m
Höchster Punkt: 834 m
Tiefster Punkt: 331 m
Schwierigkeit: moderat

Wegbeschreibung

Heute ist der letzte Wandertag angesagt. Wir wollen noch eine Etappe auf dem mare et monti sud bewältigen, als Bonus sozusagen.

Als Wegbeschreibung dient uns nur eine Wanderkarte (1:60000, Korsika Süd), deren Höhenlinien uns aber manchmal ungenau erschienen. Wir müssen erst die Straße hinauf, anschließend durch einen abgebrannten Wald und auf einen Forstweg. Die direkte Morgensonne treibt die Temperatur unerbittlich gegen die oberen 20 Grad.

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Vor uns liegt der Bocca Di U Vint’unu. Wir haben die Wahl, entweder auf dem Forstweg ohne Schatten um die Kuppe herumzulaufen oder die 650 Höhenmeter auf einen schattigen Pfad in Angriff zu nehmen. Die Beine sind morgens schon schwer, die letzten Tage haben ihre Spuren hinterlassen. Wir entscheiden uns für den Anstieg und wollen die letzte Kraft raushauen!

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Der Weg steigt moderat, übermanngroßes Buschwerk spendet noch ausreichenden Schatten, wir verfallen bald in unseren Trott und gehen langsam aber stetig auf die Höhen. Oben erstreckt sich ein lichter und angenehm kühler Steineichenwald, der mit großen Findlingen durchsetzt ist. Die Bäume weichen den Steinen und mehr Buschwerk und wir finden uns alsbald in einem tollen Felsenmeer wieder. Olmeto liegt in greifbarer Nähe am Gegenhang.

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So reizvoll die Umgebung ist, so beschwerlich gestaltet sich der Abstieg. Wir müssen durch das Felsenmeer hinab, die natürlichen Stufen zehren arg an den verbliebenen Kräften. Auf halber Höhe rasten wir auf einem kleinen Felsvorsprung im Schatten einer Steineiche. Der Überblick über Propriano mitsamt Bucht und Olmeto mitsamt dem Bergwald im Hintergrund ist wunderbar!

Die gleiche Strecke geht es nochmal hinunter ins Tal von Olmeto. Der Weg hinauf ins Dorf ist gleichzeitig der Kreuzweg der örtlichen Pfarrgemeinde. Die letzten Meter sind dem Scheinheiligen St.Ufen (Schmerzpatron aller Rucksackwanderer) geweiht. Wir erklimmen mit letzter Kraft die Treppe und haben nach 7 Tagen, 100km und 11000 Höhenmetern brutto unser Ziel erreicht. Yeeha!

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In Olmeto bleiben wir zwei Nächte und haben uns dazu das Hôtel Santa Maria herausgesucht. Unterwegs und aus unserem Reiseführer haben wir erfahren, dass man bei “Chez Mimi” ausgezeichnet korsisch essen kann. Und Glückspilze wie wir sind, stellen wir fest, dass das Restaurant von Santa Maria “Chez Mimi” heißt 🙂

Das Hotel ist hinter der Kirche und zum Glück nicht direkt an der Ortsdurchfahrt. Die Straße in Olmeto ist so eng, dass der Verkehr hier einspurig verläuft und durch eine Ampel geregelt wird. Die Sitzgelegenheiten der beiden Cafés sind so dicht an der vielbefahrenen Straße, dass man hier keine ruhige Minute verbringen kann. Aber dafür haben wir den Garten des Hotels.

Das Essen der alten Mimi ist wirklich ausgezeichnet. Fischsuppe vom Feinsten, das typisch korsische Wildschwein und Lamm in Soße, alles sehr sehr gut. Das Frühstück ist schon fast selbstverständlich das Beste auf der ganzen Strecke, hier merkt man den Unterschied zwischen Hotelbetrieb und Herberge. Und dabei kostet die Übernachtung mit Halbpension nicht mehr als in den Herbergen. Leider war unser Zimmer hier klein und stickig und das Bad renovierungsbedürftig.

Fazit

Die Etappe war anstrengend, aber der Weg über den Bocca Di U Vint’unu hat sich gelohnt.

In Olmeto gibt es nichts, was man sich ansehen müsste. Der Ort ist laut und eng. Es gibt hier einige große Restaurants, die mit Pizza Urlauber und Busgesellschaften aus Propriano anlocken wollen. Das lässt man lieber sein und geht zu Mimi was Richtiges essen!

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Etappe 6: Von Sainte-Lucie-de-Tallano nach Burgo

Der letzte Tag auf dem mare a mare sud führt uns nach Burgo. Auf dem Punta d’Arja Vecchi erblicken wir nach sechs Tagen wieder das Meer.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 16,0 km
Wanderzeit: 7:27 h
Davon in Bewegung: 5:16 h
Bergauf: 777 m
Bergab: 1049 m
Höchster Punkt: 758 m
Tiefster Punkt: 151 m
Schwierigkeit: moderat

Wegbeschreibung

Müde Gesichter begrüssen uns am Morgen. Unsere 4-Mann-Stube hat heute Nacht mehrere Hektar Wald gefällt. Das Frühstück war sehr gut, eine direkte Fortsetzung des Abendessens sozusagen. Unausgeschlafen muss ich mein linkes Knie mit Voltarensalbe und einer Stützmanschette versorgen, da beim Auftreten irgendein Band oder Muskel schmerzt.

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Der Weg führt gemächlich an den Hängen von Tallano hinab nach Loreto, vorbei an einer Kapelle, die erst als Schafstall und später gar nicht mehr genutzt wurde.

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In Loreto beginnt der Aufstieg auf den Punta d’Arja Vecchia, der uns noch vom Meer trennt. Die Steigung ist moderat, der Pfad ein typischer Mittelgebirgsweg, bewaldet und gut zu gehen. Mein Knie macht sich nicht mehr bemerkbar, offenbar ist es nur ein Muskelkater der nach etwas Warmlaufen verschwindet. Weiter hinauf gelangen wir auf einen alten offenen Hirtenpfad. Wir laufen in der prallen Sonne weiter, mein neuer toller Hut ist meine Rettung! Den höchsten Punkt des Tages erreichen wir gegen Mittag. Wir suchen Schutz im Schatten einer der wenigen Steineichen hier oben und machen lange und ausgiebig Rast.

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Der Weg verläuft jetzt ebenerdig, mit toller Aussicht auf die gegenüber liegende Bergkette mit lauter kleinen Dörfern. Ein leichter Wind bringt Abkühlung, eine Wanderung durch Weinberge könnte schöner nicht sein. Über die nächste Kuppe und Kehre und es eröffnet sich ein traumhafter Blick auf die Bucht von Valinco und die bergige Küste. Das ist der Mühe Lohn! Der Pfad geht durch blühende, bunte Wiesen. Unzählige Butter- und Gänseblümchen, Lavendel, Maiglöckchen, Königskerzen und Ginster tauchen die Umgebung in ein Farbenmeer.

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Leicht verträumt schlendern wir Richtung Fozzano und werden am Ortseingang Zeugen korsicher Separatistenjustiz. Ein neues Feriendomizil ist kürzlich heruntergebrannt, die Wände mit Hassparolen und den Kürzeln irgendeiner Gruppierung beschmiert. Volksfront von Korsika und korsische Volksfront lassen grüssen! Fozzano selbst ist ein verschlafener Ort. Jedes Haus ist von einer riesigen Weinrebe bewachsen, die sich über die Balkone bis unters Dach schlängelt. Die Pflanzen müssen schon mehrere Generationen Bewohner überdauert haben.

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Von Fozzano nach Burgo sind es noch wenige Kilometer, aber der Weg wird uns arg schlauchen. Im Windschatten steht die Luft, die Nachmittagshitze und ein staubiger Pfad ohne Schatten tun ihr übriges. Im Schneckentempo krieche ich die nächste Erhebung empor und hinterlasse eine Schweissspur, die die Jagdhunde noch mehrere Jahre verwirren wird 😉

Im oberen Baracital haben wir ein angenehmes déjà-vu. Der Baraci sprudelt in Stromschnellen bei einer Mühlenruine durch schattigen Steineichenwald. Hier sammeln wir Kraft für den knackigen Aufstiegs nach Burgo. Durch eine natürliche Regenrinne geht es direkt hinauf zur Herberge. Hier ist der offizielle Endpunkt des mare-a-mare sud. Die Plicht ist geschafft, jetzt kommt die Kür!

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Die Gîte “U Fracintu”, was soviel hießt wie “Bei den Zwilligen”, hat eine Terasse mit einem umwerfenden Blick auf Propriano und die Strände. Urlaubsstimmung kommt auf, aber wir haben noch einen Tag auf dem mare-et-montiert sud bis nach Olmeto. Die Unterkunft ist sehr angenehm, die Gîte ist eigentlich ein Hotelbetrieb. Die Anlage wurde nach einem Waldbrand vor zwei oder drei Jahren renoviert und ist in sehr gutem Zustand.

Fazit

Die letzte Etappe des mare a mare sud ist einer der schönsten Abschitte auf der Strecke. Die Landschaft und Flora um dem Punta d’Arja Vecchia ist berrauschend und die Ausblicke aufs Meer und die Küste sind einfach klasse.

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Etappe 5: Von Serra-di-Scopamema nach Sainte-Lucie-de-Tallano

Die Etappe von Serra di Scopamena nach Saint Lucie de Tallano entpuppt sich anstrengender als gedacht. Der schwierige Weg und steile Anstieg am Anfang macht uns zur Halbzeit unserer Wanderreise zu schaffen.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 10,8 km
Wanderzeit: 5:01 h
Davon in Bewegung: 3:39 h
Bergauf: 523 m
Bergab: 1010 m
Höchster Punkt: 978 m
Tiefster Punkt: 390 m
Schwierigkeit: fortgeschritten

Wegbeschreibung

Unser heutiger Weg führt uns durch das Tal von Rui. Laut Beschreibung müssen wir nur 400 Meter runter und wieder hoch und das bei einer Laufzeit von 6 Stunden. Der vermeintliche Weg, den man von Scopamena auszumachen scheint, sieht eigentlich recht angenehm zu laufen aus. Noch!

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Von Scopamena geht ein steiler steiler Knochenbrecherweg hinunter ins Tal. Der ehemals mit Naturstreinen gepflasterte Weg wurde in den letzten Jahren durch Regenfälle komplett zerstört. Wir staksen vorsichtig durch die kopfgroßen Brocken die 400 Meter hinab. Im Tal geht es ein Stück auf der Straße weiter. Bald schwenken wir von der Straße durch einen schönen Eichenhein Richtung Fluss. Nach einer schwankenden Metallbrücke geht es brutal steil hinauf. Anstatt dass -wie vermutet- der Weg gemächlich die Bergflanke hinauf führt, wird der erste Kamm auf den Monte Grosse im Frontalangriff genommen. Nach dem gestrigen Tag erobert sich der Weg seinen Respekt zurück und hinterlässt eine tiefe Kerbe im Höhenprofil der GPS-Aufzeichnung. Zum Glück verläuft der Pfad auf weichem dickem Waldboden, das ist eine Genugtuung für Knie und Muskeln.

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Oben machen wir entkräftet zwischen blühendem Sanddorn Rast. 2,5 Stunden sind vergangenen. Wer gestern noch dachte, dass der Weg jetzt auf der Höhe bleibt, hat sich geirrt. Genauso steil geht es wieder runter auf halbe Höhe. Erst dann bleibt der Pfad konstant. Ein entgegenkommendes junges Päarchen meint, sie wären 2,5h unterwegs. Würde ja zu den 6h Gesamtzeit passen. Denkste. Nach der nächsten Kehre sehen wir schon Altagène, welches noch mindestens eine Stunde entfernt sein soll. 10 Minuten später trinken im bayerischen Biergarten mit Paulaner-Garnitur und einer Hawaiibar einen Kaffee und eine Cola. Bier war aus. Ste, der Besitzer, meint die Zeitangabe würde nicht stimmen. Stimmt!

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Über die nächste Kuppe sind wir schell im sehr schönen St. Lucie de Tallano. Knapp vier Stunden bevor die Herberge überhaupt öffnet! Wir lassen die Rucksäcke dort und durchstreifen den beschaulichen Ort. Mehrmals, Zeit haben wir ja 😉 Mittags ist hier richtig viel los. Viele Touristen, ob mit alten Renaults, blitzenden Lamborghinis oder als Motoradgruppe durchfahren den Ort und bevölkern die Straßencafés am zentralen Platz. Philipp wird von der mit einem Schlag zurückkommenden Zivilisation fast erschlagen!

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Wir sehen uns die für Korsika typischen Wohntürme und die mittelalterliche Kirche an. Ich kaufe mir einen neuen Hut und wir vertrödeln etwas Zeit irgendwie in einem Café bis das kleine Heimatmuseum an der Ölmuhle öffnet.

Endlich in der Herberge merke ich, dass der Tag doch sehr anstrengend war. Kopfweh macht sich bemerkbar, vermutlich kommt es durch eine Kombination aus Anstrengung, zu viel Sonne und zu wenig Trinken zu stande. Eine Ibuprofen und viel Wasser später falle ich in einen kurzen erholsamen Schlaf. Als ich aufwache ist es 17:00 Uhr, Essen gibts um 19:30 Uhr.

Wir überbrücken die Zeit im Café von vorhin, diesmal mit kühlen Bier. Der hiesige Gerstensaft heisst Pietra, ist mit Kastanien versetzt, hat 6 Umdrehungen und kostet 3,50 EUR für 0,33l. Kühl und lecker ist das ein wahrer Genuss, auch für Bayern 😉

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Das Abendessen ist das mit Abstand beste Essen auf der Tour. So genial die Aussicht von Scopamena war, so genial ist die Mahlzeit in St. Lucie. Es gibt Kartoffelgratin und Schweinebraten in Honigsoße. Ich esse die Soßenreste am Ende aus der Schüssel mit Weissbrot, die Franzosen sind etwas verwirrt. Wir gehen bald ins Bett, der Tag war anstrengender als gedacht und mein linkes Knie macht mir sorgen…

Die Wirtin meinte, die nächste Etappen nach Burgo dauert 6,5h und damit länger als im offiziellen Führer. Sie wird recht behalten.

Fazit

Der erste Teil des Weges, insbesondere der Abstieg von Scopamena und der Aufstieg auf den Monte Grosse sind nicht zu unterschätzen.

Die Gite d`etape in St. Lucie de Tallano ist sehr zu empfehlen. Insbesondere wegen dem Essen und der älteren Betreiberin, die es stets geschafft hat, dass sich die Gäste wie in einem Hotel fühlen.

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Etappe 3: Von Levie nach Serra-di-Scopamema

Der heutige Tag führt uns zu Burganlagen aus der Bronzezeit, zu wunderschönen Panoramen über die Alta Rocca und zu einem wildromantischem Gebirgsbach, der zum Verweilen einlädt.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 15,5 km
Wanderzeit: 7:28 h
Davon in Bewegung: 4:45 h
Bergauf: 819 m
Bergab: 566 m
Höchster Punkt: 930 m
Tiefster Punkt: 624 m
Schwierigkeit: moderat

Wegbeschreibung

Hinter Levie steigt der Weg über eine kleine Anhöhe auf den Höhenzug von Cucuruzzu. Wir sind jetzt im Herzen der Alta Rocca angekommen. Maccia und Steineichen soweit das Auge reicht!

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Auf diesem Höhenzug siedelten schon Menschen der Torre-Kultur. Wir besichtigen das Castellu die Cucuruzzu, eine Kultstätte und Burganlage aus der Bronzezeit. Die Anlage macht sich die natürlichen Gegebenheiten zu Nutze und fügt sich in die vorhandene Felslandschaft ein. Eine große Zyklopenmauer umschliesst den vorderen Teil der Anlage, der andere wird durch natürliche Felsen geschützt. Von hier eröffnet sich ein sehr schöner Panoramablick auf das Alta Rocca und unser heutiges Etappenziel: Serra di Scopamena.

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Nur einen Katzensprung entfernt liegt das ebenfalls bronzezeitliche Castellu di Capula, welches noch bis ins Mittelalter besiedelt war. Einer der wenigen Menhire bewacht tapfer den Zugang, doch er kann von uns imHandstreich überwunden werden. Vorbei an der restaurierten Kapelle Staint-Laurent gehen wir zum Kassenhäuschen der Anlage zurück und holen unsere Rücksäcke ab. Die zwei Stunden zur Besichtigung haben sich auf alle Fälle gelohnt!

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Von der Burg geht es hinab in das Tal des St. Antoine und hinauf auf den Höhenzug vor Quenza. Der Weg verläuft auf einem sandigen und vom Regen ausgewaschenen Forstweg. Später kommt noch ein hoher Maschendrahtzaun hinzu. Man fühlt sich wie an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Dieser Teil ist ausgesprochen anspruchs- und leidenschaftslos, wir passieren erst das Wrack eines Bulldozers, später das eines alten Renault Kombi und den Abschluss der Müllkette bildet ein Wildschweinkadaver.

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Auf der Höhe laden saftig grüne Wiesen mit blühenden Apfelbäumen zur Rast ein, aber viel Stacheldraht verwehrt uns den Zugang. Wir entschließen uns weiter zu gehen und werden belohnt. Wir verlassen den Hauptweg des mare-a-mare und nehmen die Abkürzung nach Scopamena. Der Weg hinab zu einem kleinen unbekannten Fluss wird zu einem steinigen Waldpfad und wir fühlen uns sofort an heimische Täler wie das Tiefental bei Ulm oder das Omersbacher Tal erinnert. Ein lautes dumpfes Rauschen lässt auf Stromschellen hoffen. Wir werden nicht enttäuscht!

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Wild-romantisch sprudelt der Ruisseau de Codi das Tal hinab. Wir rasten auf einem Felsen inmitten des Flusses unterhalb der Ruine einer Mühle. Das Camenbert-Baguette würzen wir mit frischgepflücktem Bärlauch, welcher hier handtellerbreit wächst. Lecker! Entspannt durch die Kühle des Wassers und durch das monotone Rauschen döse ich ein. Herrlich!

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Nach einem kurzen Nickerchen brechen wir zum letzten Abschnitt für heute auf. Der Waldweg gewinnt schnell an Höhe und über das Örtchen Sorbollano gelangen wir nach Scopamena. Der Ausblick ist phänomenal! Man überblickt das gesamte Alta Rocca und den bisherigen Weg seit der Vacca Morte. Gegen Westen ersteckt sich das dunkelgrüne Tal des Rizzanese bis nach Propriano, am Horizont sieht man schon Sardinien! Und das beste: Das ist der Ausblick von unserem Balkon und der Terassse der Herberge!

Auf der Terasse bleiben wir dann auch bis spät in die Nacht. Agathe, Gerald, Tiffany und Marco (alles französische Mitwanderer) haben noch ein paar Flaschen Rotwein besorgt. Ein gelungener Tag geht zu Ende.

Fazit

Dies ist einer der schönsten Streckenabschnitte auf dem Weg, sofern man die kürzere Strecke nach Serra di Scopamena nimmt. Der Weg nach Quenza ist, wie sich am nächsten Tag herausstellt, doch eher langweilig. Die archäologischen Anlagen sind sehenswert, hierzu sollte man sich die Zeit nehmen.

Die Gîte in Serra di Scopamena ist eine der besseren Herbergen auf dem Weg. Die Aussicht ist fantastisch und das Essen lecker. Da wir zwei Nächte hier blieben hat die Wirtin dafür gesorgt, dass wie eine Sechs-Mann-Stube für uns alleine hatten. Das ist vermutlich auch nur in der Nebensaison möglich.

Die Wirtin ist übrigens die netteste auf dem mare a mare sud. Sie erklärt den Gästen die gesamte Aussicht, bedient uns auf der Terasse und ist auch sonst sehr hilfsbereit.

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Etappe 2: Von Cartavalone nach Levie

Am zweiten Tag überschreiten wir am Col de Mela den Höhenzug, der die Alta Rocca vom Meer trennt. Unser Etappenziel ist Levie, eine nette kleine Ortschaft.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 13,7 km
Wanderzeit: 6:42 h
Davon in Bewegung: 4:31 h
Bergauf: 694 m
Bergab: 1168 m
Höchster Punkt: 1334 m
Tiefster Punkt: 314 m
Schwierigkeit: moderat

Wegbeschreibung

Gestern Abend bin ich mit steinharten Schultermuskeln wie der Glöckner von Notre Dame ins Bett gekrochen und aus selbigem heute morgen wie ein junger Gott entsprungen. Ein kurzer Plumps in den Kaffeekessel und der Tag kann losgehen!

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Die Wettervorhersage wird real, es erwartet uns strahlend blauer Himmel. Auf dem ersten Teil des Wegs kommt uns das ganze Wasser von gestern Nacht entgegen, alle Pfade sind zu kleinen Rinnsälen geworden. Starke Windböhen peitschen die letzten Wolkenfetzen aus den Bergen. Die neugekaufte Schlumpfjacke hält den Wind perfekt ab.

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Nach den ersten zwei Kilometern befinden wir uns am Fuße des Vacca Morte, der toten Kuh. Der Gipfel mit seinen 1300 Metern soll einen schönen Ausblick über die Region bieten. Wir lassen die Rucksäcke am Wegesrand zurück und steigen hinauf. Das Panorama beschränkt sich heute Morgen leider nur auf die restlichen Wolkenfetzen. Eine Böhe vertreibt das Grau und lässt uns einen kurzen Blick auf den Stausee von Cartavalone erhaschen.

Nicht entmutigt und ordentlich warmgelaufen beginnen wir mit dem Weg nach Carbini. Ab dem Col de Mela wird der Pfad steinig und sehr steil, die mitgenommenen Trekkingstöcke werden zu unseren wertvollsten Begleitern auf der Strecke. Der Wind hat längst nachgelassen und wir bekommen perfektes Wanderwetter. Auf dem Abstieg erlangen wir sehr schöne erste Eindrücke von der vor uns liegenden Landschaft der Alta Rocca.

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Carbini ist ein verschlafener idyllischer Ort am Fuße des Col de Mela und die erste Ortschaft der Alta Rocca. Das Ortsbild wird bestimmt von dem Turm der alten romanischen Kirche, welche leider dem Publikumsverkehr nicht mehr zugänglich ist. Es ist Mittag und wir suchen eine Kneipe am oberen Ortsende auf. Hier tagt der Gemeinderat zusammen mit dem Landrat. Gestern waren Präsidentschaftswahlen und Nicolas Sarkozy muß in die Sitchwahl mit Fracois Hollande. Es gibt hier einiges zu besprechen. Nach einem Kaffee und einer Cola gehen wir nochmal zum Kirchturm und packen unsere Vesper aus, ständig beobachtet von einem alten, schon fast toten Hund mit extrem krummen Beinen.

Nach Carbini führt uns ein uralter von den Zeiten gezeichneter Weg ins Tal des Fiumicicoli. Die mit dickem Moos bewachsenen Mauern, die den Weg einfassen, lassen nur vermuten, welche Gesellen vor vielen Jahrzehnten diese Wege beschritten. Dieser Abschnitt ist das Highlight des Tages.

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Den Fluss überqueren wir auf einem Steg. Anschließend beginnt der letzte Teil der Strecke. Während dem Anstieg nach Levie müssen zwei kleinere Bachläufe durchwatet werden, ehe wir den Ort erreichen. Bei einem Gemeindearbeiter erfragen wir uns den Weg zur Gîte. Die Gîte macht erst um 16:00 Uhr auf, daher gehen wir nochmal durch den Ort. Die Ortschaft ist nachmittags sehr belebt. In der Hauptstraße hinter der Kirche sind viele kleine Cafés und Geschäfte, die von durchfahrenden Touristen besucht werden.

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In der Gîte sind wir in einem Vier-Bett-Zimmer untergebracht, welches einen wesentlich besseren Eindruck als die Unterkunft in Cartavalone hinterlässt. Das Essen ist ebenfalls besser. Nur das Frühstück ist gewöhnungsbedürftig. Es gibt in Frankreich klassischerweise keine Teller, man isst das Weißbrot(chen) direkt aus der Hand. Dafür gibt es Kaffee aus den typischen Schüsseln, die bei uns in Deutschland eher für Müsli verwendet werden. Ich gewöhne mich schnell daran, allerdings nicht an das Brot an sich.

Abends gehen wir noch mit ein paar Mitwanderern in die einzige offene Kneipe in Levie. Hier werden die Bordsteine auch schon um 19:30 Uhr hochgeklappt. Wir haben ersten Kontakt mit dem einheimischen Bier: Pietra, sehr teuer und sehr gut. Sainté!

Fazit

Wir lernen, dass Trekkingstöcke auf den steinigen Pfaden sehr zur Trittsicherheit beitragen und dass die Gîtes erst gegen 16:00 Uhr ihre Pforten öffnen. Es lohnt sich daher nicht, schon sehr früh an den Herbergen zu sein.

Der Weg ist ein guter Einstieg und lässt die Beschaffenheit des Wegs für die kommenden Tage erahnen.

Links

  • Levie: Gîte d’etape, 0033 (0) 4 95 78 64 90

Etappe 1: Von Muratello nach Cartalavone

Tag 1 unserer Wanderung führt uns 1000 Meter hoch von der Küste auf die Höhenzüge der Alta Rocca.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 13,2 km
Wanderzeit: 5:16 h
Davon in Bewegung: 4:12 h
Bergauf: 1098 m
Bergab: 177 m
Höchster Punkt: 1073 m
Tiefster Punkt: 109 m
Schwierigkeit: anspruchsvoll

Wegbeschreibung

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Korsika empfängt uns mit englischem Gruß. Leichter Nieselregen, etwas Wind, aber angenehme Temperatur bestimmen den Morgen. Nach zwei Tassen starkem und gutem Kaffee geht es endlich los. Zuerst verläuft der Weg durch sanfte Hügel, links und rechts stehen locker verteilt Korkeichen, dazwischen liegen vereinzelt Felsbrocken. Wir überqueren den Ruisseau de Petrosu, an dessen Ufer schon viele bunte Vegetation erblüht und erreichen den Startpunkt des mare a mare sud am Fuße der Berge.

Hier treffen wir auf drei deutsche Jungs, die sich mit dem Taxi von Porto Vecchio haben bringen lassen. Das wird im Internet häufig empfohlen und vermutlich ist die Straße von Porto Vecchio hierher auch nicht gehenswert. Der Weg von Muratello ist für ein Einlaufen hingegen sehr gut geeignet, nicht anspruchsvoll und mit einer schönen Landschaft und Aussicht gesegnet.

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Auf dem Wegweiser am Startpunkt sind 3h und 950 Höhenmeter bis L’Ospédale angeschrieben. Und das stimmt. Der Pfad führt durch blühenden Sträucher und gewinnt schnell an Höhe. Auf einen kleinen Plateau machen wir kurz Rast und genießen die weite Aussicht auf die Bucht von Porto Vecchio. Diese schöne Aussicht wird uns noch den Rest des Tages begleiten!

Alsbald geht der Pfad durch Pinienwälder und kreuzt mehrmals die Serpentinen der Straße nach L’Ospédale. Wir hören ständig Autogehupe und beobachten einen Korso, angeführt von zwei Motorrädern. Die vermeintliche Hochzeit entpuppt sich als Amateurradrennen! Viele Familienväter quälen sich schwitzend und verbissen die Straße empor, gefolgt von ihren Frauen und Kindern, die hupend und lautstark anfeuernd in den “Versorgungsautos” die Männer den Berg empor treiben 🙂

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Gegen Mittag erreichen wir L’Ospédale. Ein Schild weist auf den Verkauf von hausgemachten korsischen Spezialitäten hin, das ist genau das Richtige für uns! Doch leider ist der dazugehörige Laden unauffindbar. Egal, wir besichtigen die kleine Kapelle am Ortsplatz und kehren zum Mittagessen in das bunte Restaurant L’Altagna ein. Es gibt dampfenden leckeren Wildschweingulasch und ein Glas Wein.

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Nach L’Ospédale geht es mit der schönen Aussicht kurz auf der Straße weiter. Wir tauchen in einen märchenhaften Wald ein. Verschlungene Pfade durch große Felsen und umgestürzte flechtenbewachsene Pinien führen uns zu einem scheinbar verwunschenen Weiher. Leider erwartet uns keine Nymphe, stattdessen rostet ein alter Kanonenofen im Wasser vor sich hin. Der nadelbedeckte Waldboden schluckt unsere Schritte, nur der Ruf eines Kuckucks durchdringt die Stille. Das sind die Momente, die wir beim Wandern suchen.

Nach einem sanften Anstieg über Stock und Stein kommen wir am frühen Nachmittag an der Gîte in Cartalavone an. Gerade noch rechtzeitig! Draußen beginnt es wie aus Eimern zu schütten, wer jetzt noch unterwegs ist, muss heute auch nicht mehr duschen! Nach einem kräftigen Schluck Whisky beginnt für uns der gemütliche Teil des Abends.

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Die Unterkunft in der Gîte ist schlicht. Einfache Metallstockbetten sorgen für den Flair einer Militärkaserne. Zum Glück sind wir alleine in der engen Sechs-Mann-Stube. Wir trocknen unsere Sachen und beobachten den Regen und die anderen ankommenden Wanderer. Hoffentlich wird das Wetter Morgen besser. Bei dem Regen will kein Hund raus!

Das Abendessen wird gemeinschaftlich im Restaurant eingenommen. Es gibt einen einfachen Makkaroniauflauf mit Hackfleisch, selbst zu Studentenzeiten hatten wir teilweise anspruchsvollere Mahlzeiten. Aber wo Hunger ist, wird auch gegessen 🙂 Das gemeinschaftliche Essen wird es in jeder Unterkunft geben und das ist eine sehr angenehme Sache!

Von den drei Deutschen erfahren wir, dass sie jetzt nach Ende ihres Studiums zusammen einen Aktivurlaub unternehmen wollten und sind in Internet auf den mare a mare sud gestoßen. Sie haben die Wanderung über einen Reiseveranstalter aus Nürnberg gebucht und zahlen etwa das Doppelte für die Unterkunft inklusive Gepäcktransfer. Dazu mussten sie sich noch selbst um Flug und Transfer vor Ort kümmern. Wir finden das schlicht unverschämt, für diesen “Service” benötigt man keinen Reiseveranstalter. Wir erörtern mit den Drei noch den kommenden Weg, ihre mitgegebene Wegbeschreibung ist nicht sehr umfangreich und mit dem Kartenlesen tun sie sich noch etwas schwer.

Fazit

Der erste Teil des Weges ist angenehm zu gehen. Sobald der Pfad die Serpentinen kreuzt, wird es anstrengender. Zum einen geht es direkt bergauf und das ständige Kreuzen der Straße ist nicht jedermanns Sache. Der Weg auf der Höhe von L’Ospédale nach Cartalavone ist wiederum sehr schön.

Die Unterkunft in der Gîte in Cartalavone ist zweckmäßig. In der Hauptsaison mit mehr Gästen dürfte es hier eng und ungemütlich werden. Das Essen ist genießbar, gute Küche darf man nicht erwarten.

Links

  • Gîte in Cartalavone: 0033 (0) 4 95 70 00 39

Etappe 4: Rundgang von Serra-di-Scopamema über Quenza und Aullène

Den eingeplanten Ruhetag verbringen wir auf einem Rundgang von Scopamena nach Quenza und Jallicu. Da wir ausreichend Zeit haben machen wir noch einen lohnenswerten Abstecher nach Aullène.

Steckbrief

Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 19,4 km
Wanderzeit: 6:33 h
Davon in Bewegung: 5:05 h
Bergauf: 862 m
Bergab: 785 m
Höchster Punkt: 1159 m
Tiefster Punkt: 692 m
Schwierigkeit: einfach

Wegbeschreibung

Heute morgen verabschieden wir uns von den Franzosen. Wir bleiben noch einen Tag in Scopamena um die Alta Rocca um Quenza zu erkunden. Die Franzosen laufen die Strecke in nur fünf Tagen, so dass sie jetzt immer einen Tag voraus sind.

Unser Tag ist als Erholungstag geplant. Wir wollen ohne Gepäck die Alta Rocca erkunden. Der Schreck kommt kurz darauf, ein paar Wanderstöcke fehlen! Das ist sehr ärgerlich, da morgen die Abstiege anstehen und die Stöcke die Knie doch sehr entlasten. Auf dem Weg zum fahrenden Bäcker kommt uns ein Engländer/Holländer entgegen, der anscheinend seine Stöcke verwechselt hatte. Glück gehabt! Der Bäcker hat Verspätung, wir treffen die Franzosen nochmals, kaufen ein Baguette und verabschieden uns endgültig.

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Nur mit Proviant und Kamera bepackt gehen wir den Weg durch die schöne Schlucht zurück Richtung Quenza. Heute benötigen wir nur 40 Minuten wofür wir gestern 90 Minuten brauchten. Respekt an den 15kg Rucksack! Auf dem “Quenza Speedway” werfen wir unsere 1MS-Motoren an, der Zwei-Stock-Turbo kommt auf Touren, Klack klack klack wir rasen mit quietschenden Sohlen gen Quenza. Nach 90 Minuten sind wir da, 120 Minuten waren angeschrieben. Der Weg ist aber auch langweilig. Der Sprit von gestern Abend ist vollends ausgeschwitzt. Der Mineralhaushalt schlägt Purzelbäume als wir die göttlich süß-saftigen Birnen essen. Den Kater vertreiben wir mit stark magensiumhaltigem Wasser. Merke: Katzen sind wasserscheu!

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Nach Quenza wird der Pfad fast hochalpin. Zügig geht es hinauf auf 1100m. Es knackt bedenklich im Unterholz und wir erwarten eine ganze Wildschweinrotte. Zu unserer Überraschungen bricht jedoch eine junge deutsche Bergführerin mitsamt Hund aus dem Gebüsch. Sie ist von einem Aktiv-Urlaubsveranstalter und zeigt einem neuen Kollegen eine Tagestour in der Gegend. Wir schliessen uns den beiden an -eher umgekehrt, wir sind zu deren Überraschung schneller- und erfahren wenig neues über den Wegabschnitt. Lediglich die Herberge “Chez Pierrot” an der Pferderanch in Jallicu soll sehr gut sein, insbesondere wenn man Essen gehen möchte. Das bestätigen uns die drei Deutschen im Nachhinein.

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Auf dem Bocca d’Arja Petrosa machen wir Mittagsrast. Da wir noch viel Zeit haben entschliessen wir uns zu einem Abstecher nach Aullène. Dieser Nachbarort von Scopamena ist laut Reiseführer von 2004 vom Aussterben bedroht. Davon merken wir wenig. Am Ortsrand entstehen neue Ferienresidenzen neureicher Franzosen, viele Straßen sind neu und der Ort wird bestimmt durch Cafés.

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Wir kaufen uns im Tante-Emma-Laden an der Tankstelle bei einer uralten verwittweten Korsin zwei Dosen Cola. Darüber und über die entstehende Unterhaltung ist die Alte so erfreut, dass sie uns mit Orangen und Bananen beschenkt. Offenbar kommen nur wenige Wanderer hierher und die durchfahrenden Touristen gehen lieber in die modernen Cafés. Schade eigentlich. Die gute Tat für heute ist also erledigt. Wir kaufen in einer Garage noch eine getrocknete hausgemachte Hartwurst. Nach der Besichtigung des imposant gelegenen Friedhofs gehen wir weiter nach Scopamèna.

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Leider führt der Weg teilweise an einer Landstraße entlang. Am frühen Nachmittag sind wir wieder an der Herberge. Ein Blick aufs GPS bestätigt unsere Vermutung: Es war heute die längste und schnellste Etappe. Den Nachmittag vertrödeln wir noch in der Ortschaft und schauen die Kirche an. Beim Abendessen erfahren wir eine Sonderbehandlung und bekommen als “Stammgäste” ein eigenes Menü.

Der Abend geht schnell zu Ende. Alle neuen Gäste sind müde und die drei deutschen Jungs sind damit beschäftigt, ihren Rücktransfer nach Bastia zu organisieren. Sie haben morgen ihre letzte Etappe (Endstation Sainte Lucie) und müssen am Morgen darauf den frühen Bus in Propriano erreichen, was sich offenbar schwierig gestaltet. Wir fragen uns nur: Wozu hat man Reiseveranstalter?!

Fazit

Ohne Gepäck ist das Wandern sehr entspannend. In den Ortschaften gibt es einiges zu sehen. Quenza ist sehr pittoresk, und in Aullène kann man ebenfalls sehr gut einen Nachmittag verbummeln.

Alles in allem sind wir sehr froh, dass wir genau hier unseren Ruhetag eingelegt haben.

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Anreise

Unser Flug 4U436 von Germanwings soll um 12:35 Uhr in Köln-Bonn starten. Wir treffen uns gegen 11:00 Uhr am Flughafen. Mein Auto kann ich für knapp 30 EUR im Parkhaus 3 stehen lassen. Das Parkhaus ist am weitesten entfernt von der Abflughalle und es gibt weder Gepäckwagen noch einen Shuttlebus. Mir als Rucksackwanderer ist das auch egal 🙂 Für den Fußweg bis zum Terminal darf man gut und gerne 20 Minuten einplanen. Es fällt ein leichter Nieselregen und mein neuer 8-EUR-Hut erhält seine Wassertaufe.

Wir checken gleich ein und geben die Rucksäcke als Normalgepäck auf. Philipps Rucksack bringt schlappe 12,4 kg auf die Waage, meiner hingegen schon 14,1 kg und dann habe ich noch die Kameratasche dabei. Uff, was hab ich da wieder alles eingepackt? Das Prinzip, nach welchem Germanwings zwischen Sperr- und Normalgepäck unterscheidet, ist uns nicht ganz klar. Vor uns in der Schlange waren zwei Mädels, die ihre wesentlich kleineren Rucksäcke als Sperrgepäckt aufgeben durften. Vielleicht gehts ja nach Gewicht?

Jetzt beginnt das Warten auf den Abflug. Im Duty-Free kaufen wir noch die Wanderration Whiskey in Plastikflaschen und gehen anschließend zum Gate. Um 12:00 Uhr kommt die Nachricht, dass sich der Flug um 30 Minuten verspätet. Als Einzigster natürlich! Unser Zeitpolster zur Busanbindung schrumpft damit auf 1:30 Stunden, was uns etwas nervös werden lässt.

Um 13:15 hebt der Flieger endlich ab. Der Flug verläuft ereignislos. Voller Stolz lösen wir unsere persönlichen “Happy-Picnic”-Snack-incl.-Getränk-Gutscheine ein, welche wir gratis zur Flugbuchung (oder incl.?) erhalten haben. Es gibt ein bombastisch zähes Vollkorn-Weich-Chemiebrötchen mit Schinken, eine Käseecke, einen Löffel Nachtisch und einen Schluck Cola. Ich bin begeistert!

Wir landen um 15:00 Uhr auf dem Flughafen von Bastia. Der Flughafen ist sehr überschaubar, so überschaubar, dass es nur ein einziges Gepäckfahrzeug gibt. Die Organisation ist nicht auf Paralellbetrieb ausgelegt. Da unser Flug Verspätung hatte, erhält eine Air-France-Maschine aus Paris Vorrang und wir müssen nochmal 30 Minuten auf unser Gepäck warten. Womit wir noch genau 50 Minuten für die 3-4 km zur Bushaltestelle haben, von der wir nichtmal genau wissen, wo sie eigentlich ist.

Für alle, denen die Beschreibung auf Corsica Bus nicht ausreichend ist, so sieht die Haltestelle aus:


Größere Kartenansicht

Aber bis dahin ist es noch ein hektischer Weg! Wir wollen ein Taxi vom Flughafen zur Bushaltestelle nehmen. Am Taxistand steigen gerade drei französische Pensionäre in das letzte der drei verfügbaren Taxis ein und fahren los! Und dahinter warten schon mehrere andere Rucksackwanderer, die offenbar den gleichen Plan wie wir verfolgen! ARGH! Wir schauen uns auf dem Parkplatz und der Zufahrt um, ob zufällig ein Taxi naht, welches wir den anderen wegschnappen können. Fünf Minuten später entscheiden wir uns zu Fuß zur Bushaltestelle zu gehen. 4 km in 40 Minuten ist illusorisch, aber immerhin besser als rumstehen und warten. Wir gehen im Stechschritt die D507 entlang und hoffen, dass uns ein Taxi entgegenkommt, welches wir abfangen können. Nach 30 Minuten taucht ein einzelnes Taxi auf. Wir können den Fahrer mit viel Mühe überreden, uns mitzunehmen. Für 10 EUR bringt er uns den letzten Kilometer bis kurz vor die Kreuzung. Es ist 16:15 und wir suchen die nicht markierte Bushaltestelle. Mehrere Busse ziehen im Feierabendverkehr vorüber. Um 16:50 hält dann der lang ersehnte Bus der Rapid Blues, mit 30 Minuten Verspätung.

Die Anspannung fällt ab, der Urlaub kann losgehen!

Um kurz nach 19:00 erreicht der Bus den “Gare routière Terre-plein du port”, einen großen sandigen geschotterten Platz in Hafennähe. Der Vermieter der heutigen Unterkunft holt uns mit seinem Geländewagen ab und bringt uns zu der Ferienwohnsiedlung nach Muratello. Als der Bus abfährt bemerke ich, dass ich meinen Hut vergessen haben. Natürlich. Kein Hut hat jemals einen meiner Wanderurlaube überstanden, aber so kurz hat noch keiner durchgehalten!

Fazit

Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass man am Flughafen auf Anhieb ein Taxi bekommt. Uns sind innerhalb einer Stunde gerade mal vier Taxis begegnet.

Die Busverbindungen in Korsika sind spärlich ausgebaut. Haltestellen sind selten markiert und sollten bei Einheimischen erfragt werden. Dass der Bus Verspätung hatte war purer Zufall. Im Allgemeinen werden sind die Fahrzeiten eingehalten.

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Korsika – Mare a mare sud

Im Mai 2012 sind Philipp und ich nach langer Vorlaufzeit wieder einen Fernwanderweg gegangen. Wir durchquerten Korsika  von Porto-Vecchio nach Propriano auf dem mare a mare sud in sieben Etappen.

Steckbrief


Region: Südkorsika / Alta Rocca
Länge: 98.8 km
Wanderzeit: 44:44 h
Davon in Bewegung: 31:05 h
Bergauf: 5456 m
Bergab: 5397 m
Höchster Punkt: 1334 m
Tiefster Punkt: 106 m
Schwierigkeit: moderat

Planung

Sieben Jahre hat es gedauert um nach unserem legendären Griechenlandurlaub wieder zusammen auf die lange Tour zu gehen. Korsika stand schon länger als Ziel fest, dadurch war auch die Jahreszeit vorgegeben. Im Frühjahr und Frühsommer wandert es sich hier am besten. Die konkrete Planung erfolgte ab Herbst 2011. Wir durchforsteten das Internet nach den Fernwanderwegen in Korsika. Der GR20 schied aufgrund der Etappenlänge und unserem Konditionsempfinden aus. Letztendlich fiel unsere Wahl auf den mare a mare sud und wir orientierten uns bei der Etappenplanung stark an der Beschreibung auf Wartha. Er ist mit fünf Etappen der kürzeste der Wege. Mit jeweils einem Hin- und Rückreisetag wären wir genau eine Woche unterwegs.

Ab jetzt wurde es etwas problematisch. Es ist nämlich gar nicht so einfach, von Deutschland aus nach Korsika zu kommen. Flüge mit Zwischenstopp in Frankreich fielen weg (zu lange Transferzeiten, teilweise 8 Stunden oder mehr!) und von München, Stuttgart oder Düsseldorf waren die Flugzeiten ungünstig. Wir entschieden uns für eine An- und Rückreise mit Germanwings von Köln/Bonn nach Bastia. GW fliegt jeden Samstag und Dienstag die Ziele an, das bedeutet, wir können den Urlaub auf zehn Tage strecken. Ein Ruhetag zwischendurch und einer am Ende passen perfekt zu unserem Verständnis eines Wanderurlaubs! Der Flug wurde gebucht, die Reisezeit steht fest: 5. bis 15. Mai.

Wir mussten die Gretchenfrage beantworten: Zelt oder Herberge oder beides. Erste Idee war: beides, immer abwechselnd. Wir entschieden nachher dagegen. Wir sahen sowieso an vielen Etappenzielen Herbergen vor, da können wir für drei weitere Nächte auch auf das Zusatzgewicht von Zelt, Isomatte und Schlafsack gerne verzichten. Die Herbergen wurden von Philipp gebucht, da sein Französisch definitiv um ein vielfaches besser ist als meines. Die Herbergen verlangen ca. 45 EUR für eine Übernachtung im Mehrbettzimmer (4-6 Betten) inkl. Halbpension mit Abendessen und Frühstück. D.h wir mussten außer Knabberkram und Getränken nichts weiter mitnehmen. Eine Anzahlung war stets zu entrichten.

Ich kümmerte mich um die Transfers vor Ort. Taxis sind  vollkommen überteuert, Bahnlinien nach Süden gibt es nicht, also bleiben nur die Überlandbusse. Es gibt kein zentral organisiertes Transportwesen, alle Informationen zu den Bussen findet man nur auf Corsica Bus. Wichtig: Überlandbusse halten nicht am Flughafen! Unsere Linie hält ca. 3 km von Flughafen entfernt. Die Fahrzeiten passen gut zu unseren Flugzeiten. Wir landen vormittags in Bastia und könnten den Nachmittagsbus  nach Porto-Vecchio nehmen. Von Propriano geht es über Ajaccio zurück nach Bastia, wo wir am nächsten Morgen zurückfliegen wollen.

Der Plan kommt ins Schwanken, als im April der Sommerflugplan von Germanwings geändert wird. Wir haben plötzlich nur noch zwei Stunden zwischen der Landung in Bastia und der Busabfahrt nach Porto-Vecchio. Das ist der letzte Bus vor Montag und alle Herbergen sind gebucht. Wenn wir diesen Bus verpassen, müssten wir wohl oder übel ein Taxi für ca. 200 EUR nach Porto-Vecchio ordern! Der Plan: wir nehmen ein Taxi vom Flughafen zur Bushaltestelle.

Anreise

Von Köln/Bonn geht der Flieger nach Bastia und von dort fahren wir mit dem Bus nach Porto-Vecchio. Unsere Unterkunft ist in Muratello, der Vermieter holt uns dankenswerterweise am Bahnhof ab. [Details]

Etappe 1: Muratello – Cartalavone

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Wir laufen von Muratello zum Startpunkt des mare a mare sud und von dort bis nach Cartalavone. Für die 13,2 km benötigen wir 5:15 Stunden, incl. 1100 Höhenmetern. [Details]

Etappe 2: Cartalavone – Levie

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Tag 3 bringt uns in 6:42 Stunden 13,7 km weiter nach Levie. Dabei geht es 694 m hoch und 1170 m wieder runter. [Details]

Etappe 3: Levie – Serra-di-Scopamema

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Von Levie nach Serra-di-Scopamena nehmen wir die kürzere Strecke. 15,5 km weiter und 7:28 Stunden später erreichen wir das Etappenziel. Bergauf geht es 820 m und bergab sinds 566 m. [Details]

Etappe 4: Rundgang Serra-di-Scopamema – Quenza (ohne Gepäck)

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Unser erster Ruhetag. Wir gehen ohne Gepäck nach Quenza und Aullène. Ganz entspannt dauert es 6:33 Stunden und 19,4 km, bis wir wieder in Serra ankommen. Und dabei steigen wir 862 m hoch und wieder runter. [Details]

Etappe 5: Serra-di-Scopamema – Sainte-Lucie-de-Tallano

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Die kürzeste Etappe ist nur 10,8 km lang. Aber die 523 m bergauf und 1010 m bergab sind für uns kraftraubend, so dass wir erschöpft nach 5:01 Stunden in Saint-Lucie ankommen. [Details]

Etappe 6: Sainte-Lucie-de-Tallano – Burgo

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Die letzte Wegstrecke des mare a mare sud führt uns über 16,0 km von Sainte-Lucie bis Burgo. Die Steigungen ist wieder ordentlich: Bergauf 777 m, Bergab 1046 m. Nach 7:27 Stunden sind wir am Ende des eigentlichen Weges. [Details]

Etappe 7: Burgo – Olmeto

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Unsere Wanderung geht noch eine Etappe auf dem mare e monti sud weiter. Wir gehen in 5:06 Stunden die 9,9 km von Burgo nach Olmeto. Nur 684 m Höhenmeter und 646 m sind eigentlich ein Klacks, doch nach sechs Etappen für uns deutlich zu spüren. [Details]

Ruhetag in Olmeto

Wir gönnen uns einen Tag Entspannung und fahren mit dem Taxi nach Propriano, schauen uns die Stadt an und legen uns an den Strand. [Details]

Rückreise über Ajaccio und Bastia

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Mit dem Bus fahren wir nach Ajaccio und haben hier vier Stunden Aufenthalt, bevor es mit dem Bus weiter nach Bastia geht. Da unser Flieger erst am nächsten Tag abends startet, besichtigen wir noch Bastia. [Details]

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Unterkünfte im Überblick

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